📍 Ort: Gerolsheim
🚨 Alarmierung: 22. Oktober 2025 23:03 Uhr
✅ Einsatzende: 23. Oktober 2025 1:45 Uhr
⏳ Dauer: 2 Stunden 42 Minuten

🚒 Einheiten und Fahrzeuge:

👥 Weitere Kräfte:

Polizei, Rettungsdienst

ℹ️ Weitere Informationen zum Einsatz:

SEK-Einsatz in Gerolsheim: Was die Feuerwehr beachten musste

Ein Mann droht mit Haus-Sprengung: Da mussten in der Nacht auf Donnerstag neben der Polizei auch die Leiningerland-Wehren anrücken. Für sie galten spezielle Auflagen.

So einen Einsatz hat selbst der Leiningerland-Wehrleiter Markus Ittel noch nicht erlebt. Seine Truppe wird am Mittwochabend gegen 23 Uhr alarmiert, soll die Polizei in Gerolsheim unterstützen. Die wiederum bietet dort Kräfte in einem Umfang auf, der fürs ländliche Umfeld von Grünstadt und Frankenthal ganz ungewohnt ist: Streifenbeamte aus weitem Umkreis rücken an, dazu kommen psychologisch geschulte Spezialisten für Verhandlungen – und das Spezialeinsatzkommando (SEK).

32 Menschen müssen raus

Denn in einem Anwesen in der Neubergstraße hat sich ein Mann verbarrikadiert, der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet. Er droht damit, sich etwas anzutun – und das Haus zu sprengen. Also holt die Polizei die Nachbarn aus ihren Betten. 32 Menschen, unter ihnen Kinder, müssen ins Dorfgemeinschaftshaus am gegenüberliegenden Ortsrand. Den Transport übernimmt die Feuerwehr, die dafür Kleinbusse auch aus Hettenleidelheim, Obrigheim und Bockenheim nach Gerolsheim vorfahren lässt.

Zuständig für diese Evakuierung ist der Gerolsheimer Wehrführer Reinhold Kuales. Als Beigeordneter der rund 1830 Einwohner zählenden Ortsgemeinde muss er nicht lange nach dem Schlüssel fürs Notquartier fragen. Die gute Stube Gerolsheims sei optimal für solche Notfälle geeignet, sagt er: „groß genug und mit allem ausgestattet, was man braucht“. Der Beigeordnete wünscht sich, dass die Diskussionen um Notwendigkeit, Finanzierung und Rentabilität von Bürgerhäusern aufhört.

Wehrleute wachen am Straßenende

Er jedenfalls sei stolz auf den guten Zustand des Gebäudes am Kerweplatz und froh, dass Bevölkerungs- und Katastrophenschützer darauf zugreifen können, wenn etwas Größeres passiert. Immerhin gibt’s dort auch eine Küche, die allerdings in dieser Nacht nicht in Betrieb genommen wird. Und auch auf einen Sanitätsdienst kann verzichtet werden. Denn die Anwohner müssen nur etwa eineinhalb Stunden im Dorfgemeinschaftshaus bleiben. Einsatzende für die Feuerwehr: etwa 2 Uhr. Bis dahin allerdings halten sich Wehrleute auch für den Fall bereit, dass der Mann seine Drohung wahr macht und das Haus sprengt oder anzündet. Sie postieren sich daher am oberen und unteren Ende der Neubergstraße, diese besonders brenzlige Aufgabe übernehmen neben den Gerolsheimern auch Kameraden aus Großkarlbach-Laumersheim sowie Dirmstein. Und auch die Grünstadter Wehr rückt dafür an, denn die Polizei will Ittel zufolge eine große Drehleiter vor Ort haben.

Anfahrt ohne Martinshorn

Nach etwa einer Stunde nutzen die Beamten dann eigenen Angaben zufolge „einen günstigen Moment“, um den Mann zu überwältigen: Als er plötzlich aus dem Haus kommt, strecken sie ihn mit einem Taser-Schuss nieder. Die Elektroschocks aus so einer Stromstoß-Pistole wirken für einen kurzen Moment lähmend und lassen Getroffene wehrlos zu Boden stürzen. So können Polizisten den psychisch kranken Gerolsheimer vor dem Anwesen fesseln, später wird er in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Bis die Gefahr somit gebannt ist, bleibt die Neubergstraße auch für die insgesamt etwa 40 Wehrleute eine Tabuzone. Außerdem müssen sie besondere Vorkehrungen beachten: Schon bei der Anfahrt bleiben die Martinshörner aus. In Gerolsheim steuern sie dann zunächst einen Sammelpunkt in der Hauptstraße an, von dem aus sie jeweils an ihren eigentlichen Standort gelotst werden. Auf diesen letzten Metern fahren sie dann auch ohne Blaulicht, damit der Mann sich nicht unter Druck gesetzt fühlt.

Außerdem drängt die Polizei laut Wehrleiter Ittel darauf, dass im Kommandowagen der Wehr die Innenbeleuchtung ausbleibt: „damit wir nicht irgendwie zur Zielscheibe werden“.

Quelle: Die Rheinpfalz